Insulin zum Leben: Interview mit Heidi Schmidt-Schmiedebach

|   BV SchaumburgMeldung

An unseren Informationsständen legen wir auch den Flyer der Initiative „Insulin zum Leben“ aus. Zu dem Projekt ergaben sich immer wieder Fragen, die wir gar nicht alle beantworten konnten. An dieser Stelle lassen wir deshalb die Leiterin des Projekts, Heidrun „Heidi“ Schmidt-Schmiedebach, selbst zu Wort kommen.

1. Wie kamen sie auf das Projekt? Wie haben Sie Ihre Mitstreiter gefunden?
1994 wurde ich Schatzmeisterin der DDU - Deutsche Diabetes Union e.V. und traf auf das Hilfsprojekt Insulin zum Leben. Heinz Jäger, Präsident der DDU, hatte den Gründer von „Insulin For Life“ in Australien kennengelernt und fand die Idee fantastisch und unterstützenswert. Zurück in Deutschland gründete er „Insulin zum Leben“ und sammelte Spendengelder für die Transportkosten von Insulin For Life. Heinz Jäger starb im Jahr 2000 und man berief mich zur Projektleiterin. 2002 begann ich  ganz klein, auch in Deutschland Insulin zu sammeln.  Meine Mitarbeiter wurden mir immer "vom Himmel" geschickt. Ich habe nie suchen, nur Ja sagen müssen.

2. Gibt es Zahlen, wie viele Menschen hätten vor dem Tod gerettet werden könnten, wenn sie regelmäßigen Zugang zu Insulin gehabt hätten?
Dazu kenne ich keine Zahlen. Diabetiker Typ-2 ohne ausreichende Versorgung erleiden sehr oft die Komplikationen, denen man bei uns mit aller Macht vorzubeugen versucht: Amputationen, Erblindung, etc. Hier kann Insulin zum Leben helfen, aber längst nicht allen.
Diabetiker Typ-1 sterben oft immer noch vor der Diagnose im Koma, d.h. die Eltern wissen nicht, an welcher Krankheit ihr Kind verstorben ist. Ist der Typ-1 Diabetes diagnostiziert, überlebt nur das Kind, dessen Eltern Insulin kaufen können, also relativ wohlhabend sind, oder die Kinder, die Zugang zu Hilfsprojekten wie „Insulin zum Leben“ finden.

3. Was haben sie bis jetzt erreicht?
Wir konnten uns von 2002 bis heute stetig steigern, im Wert der gesammelten und verschickten Hilfsmittel (2003: 56.000,00 €, 2016: 536.000,00 €) und damit der Anzahl der Menschen, die mit dem von uns geschickten Insulin ein Jahr lang überleben können (2003: 40 Menschen, 2016: 610 Menschen).

4. Was wollen sie noch erreichen?
Ich weiß, dass ich nicht die Welt retten kann. Ich weiß, dass wir nicht zu groß werden dürfen, um nicht angreifbar zu werden. Ich möchte so weiter machen, und noch mehr Insulin in Deutschland vor dem Müll retten für die armen Diabetiker in den Schwellenländern.

5. Wie kann man sie unterstützen?
Informieren! Allen Menschen erzählen, dass es in Deutschland eine Sammelstelle für Insulin gibt: Insulin zum Leben. Unermüdlich erzählen, Flyer bei uns anfordern und gezielt an den Mann bringen (alle Diabetiker, Ärzte, Diabetesberaterinnen, -assistentinnen, Apotheker, Pflegeheime, Sozialstationen etc.).

6. Haben sie Forderungen an die Politik?
Diabetes mellitus muss in allen Ländern als behandlungsbedürftige chronische Erkrankung anerkannt werden Das Gesundheitssystem eines jeden Landes muss eine adäquate Behandlung gewährleisten - beginnend mit der Aufklärung und Schulung bis zur medikamentösen Behandlung, inklusive Insulin.

So können Sie helfen
Insulin- und Hilfsmittelspenden mindestens noch 4 Monate haltbar, bitte freigemacht an das Insulinlager schicken:

"Insulin zum Leben", c/o Biokanol Pharma GmbH, Kehler Straße 7, 76437 Rastatt

Tipp: Insulin aus dem Kühlschrank nehmen, verpacken und so zur Post bringen, dass es noch an selben Tag bei der Post wieder rausgeht.


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