Bezahlbare Medikamente sind öffentliches Interesse

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Ende Juni hatte die Bundestagsfraktion der LINKEN zu einem gesundheitspolitischen Fachgespräch im Bundestag geladen. Vor dem Hintergrund unserer Offensive zur Bundestagswahl haben wir diese Gelegenheit genutzt und daran teilgenommen. Unter dem Titel „„Arzneimittel als öffentliches Interesse – kurze und lange Wege aus der Kommerzfalle“ kam es unter der Leitung der Bundestagsabgeordneten und gesundheitspolitischen Sprecherin ihrer Fraktion, Kathrin Vogler, zu einem fruchtbaren Austausch zwischen Aktivisten aus der Selbsthilfe, engagierten Medizinern und Vertretern der Politik.

Vogler eröffnete die bis auf den letzten Platz besetzte Runde mit einem Verweis auf die schlechte Versorgungslage bei Medikamenten. Immer wieder gäbe es Probleme bei der Markteinführung lebenswichtiger Medikamente, da der Arzneimittelmarkt vorwiegend von privatwirtschaftlichen Interessen dominiert sei. Die Abgeordnete stellte die Frage in den Raum, inwieweit das am Interesse der Menschen vorbeigehe.

Eine Antwort darauf versuchte u.a. Prof. Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zu geben. In seinem Vortrag stellte der Onkologe am Beispiel von Krebsmedikamenten anschaulich dar, wie die sog. „Innovation“ inzwischen echten medizinischen Fortschritt fast vollständig ersetzt habe. Es gäbe geradezu eine Schwemme an wirkungsgleichen Präparaten.

Prof. Ludwig  kritisierte außerdem die seiner Ansicht nach übertrieben Preisgestaltung, die auch mit den Entwicklungskosten nicht mehr zu rechtfertigen sei. Inzwischen würde manche Pharmakonzerne das zehnmal so viel für Marketing, wie für die Forschung ausgeben. Er forderte eine Veränderung der Gesetze, die wirkungsgleiche Medikamente unrentabler mache.

Ähnlich, aber in Nuancen unterschiedlich pointiert positi

Im Anschluss stellte Dr. Joanna Offe engagiert dar, wie eine zu geringe Regulierung des Arzneimittelmarktes bei der Therapie von Hepatitis C inzwischen dafür gesorgt habe, dass Patienten in Frankreich, der Schweiz und Großbritannien von einer Behandlung mit dem optimalen Medikament Sofosbuvir ausgeschlossen würden, da es schlichtweg zu teuer sei.

Dr. Offe regte an, dass die Politik künftig mehr von der Möglichkeit sogenannter Zwangslizenzen für günstige Generika Gebrauch machen solle, um bei einem Interesse der Gemeinheit für eine optimale Versorgung von Patienten zu sorgen. Zu einem Preis, der die Stabilität der Krankenkassen gewährleiste.

Spring Gombe von der internationalen Initative Drugs for Neglected Diseases (DNDI) stellte danach die globale Lage dar. Für die Entwicklung von Medikamenten  zur Behandlung von Krankheiten, die die Mehrheit der Weltbevölkerung plagen, sei nur sehr wenig Geld da, da dies nicht rentabel genug sei. Ihre Organisation habe deswegen begonnen, selber Medikamente, z.B. gegen die in Teilen Afrikas weit verbreitete Schlafkrankheit, zu entwickeln. Hier hätten sich bereits erste Erfolge eingestellt, aber die Arbeit mit sehr geringen Budgets sei natürlich nicht optimal.

Nach einem weiteren Vortrag von Dr. Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharmakampagne, in dem dieser eine umfassende Reform des Patentrechts im Bereich der Pharmazie und mehr öffentliche Forschung forderte, entstand eine lebhafte Debatte zur Zukunft der Medikamentenentwicklung. Inwieweit solle dieser Teil der medizinischen Grundversorgung künftig dem privaten Profitinteresse überlassen bleiben? Welche Alternativen zu den bisherigen gesetzlichen Regelungen seien sinnvoll und realistisch. Einig war man sich in einem Punkt: So wie es ist, darf es auf Dauer nicht bleiben. Aber inwieweit das geistige Eigentum an medizinischen Entwicklungen zu vergüten und zu schützen sei, darin waren sich die Teilnehmer nicht einig.

Aus der Debatte haben wir jedenfalls wichtige Anregungen mit nach Hause genommen, die es auch in der Diabetikerselbsthilfe zu diskutieren lohnt. In einer globalisierten Welt wird es immer wichtiger unseren Blick international auszurichten und die Vernetzung und den Austausch mit Betroffenen weltweit zu fördern und zu leben. Wir müssen auch auf dem Feld der Politik dafür sorgen, dass unsere Interessen nicht zu kurz kommen.


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