Mehr Elternaufklärung gefordert

Typ-1-Diabetes bei Kindern: Lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung zum Zeitpunkt der Diagnose

|   Kinder & JugendlicheMeldung

Bei mehr als jedem dritten Kind, bei dem Typ-1-Diabetes festgestellt wird, liegt schon eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung vor, so das Ergebnis einer Studie an der Technischen Universität Dresden*.

Wenn das Kind ständig Durst hat, sehr oft auf die Toilette muss, plötzlich an Gewicht verliert und immer müde ist, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt, um abklären zu lassen, ob das Kind nicht an Diabetes mellitus erkrankt ist. Viele Erwachsene erkennen die ersten Anzeichen einer diabetischen Ketoazidose ihrer Kinder nicht und gehen erst dann zum Arzt, wenn der Stoffwechsel schon gefährlich entgleist ist.

Ketoazidose bei 35 Prozent der Kinder

In der vorliegenden Studie aus Dresden lag bei 35 Prozent der Kinder bis 14 Jahren zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine Ketoazidose vor. Zwischen Mädchen und Jungen gab es keinen Unterschied. Aber die Zahl dieser gefährlichen Stoffwechselentgleisungen nahm proportional zum Anstieg der Erkrankungszahlen deutlich zu.

Aufgrund dieser Tatsache fordern die Autoren der Studie, schnellstmöglich Präventionskampagnen ins Leben zu rufen, um Kinder mit Diabetes vom Typ 1 möglichst rasch behandeln zu können. Die Aufklärung könnte beispielsweise über Kinderarztpraxen erfolgen oder über Flyer, die den Eltern im Rahmen der U6 oder U7, also innerhalb der ersten zwei Lebensjahre, in die Hand gedrückt werden.

Neugeborenen-Screening in mehreren Bundesländern

Seit 2016 läuft in Sachsen wie in anderen Bundesländern ein Neugeborenen-Screening-Programm in Geburtskliniken. Mit dem Programm Freder1k versucht man die genetische Veranlagung für Diabetes zu entdecken. Man erhofft sich davon, dass Eltern von Kindern mit einem höheren genetischen Risiko später an das Ergebnis des Screenings erinnern und so schneller reagieren können. 

Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert Aufklärungskampagnen

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert wegen der aktuellen Zahlen staatlich initiierte Aufklärungsprogramme für Eltern und Pädagogen, damit diese Warnzeichen möglichst früh erkennen. In ganz Deutschland leben rund 33.000 Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1. Die Gesellschaft geht davon aus, dass diese Zahlen sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln werden.

* https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0218807