Studie an Typ-2-Diabetikern

Künftig Insulin nur noch einmal pro Woche?

|   LV NiedersachsenMeldung

Ein neuartiges Insulin, das nur einmal pro Woche gespritzt werden muss, senkte im Rahmen einer Studie den Langzeitblutzuckerwert HbA1c genauso gut wie ein Basis-Insulin, das täglich injiziert wird.

 

Ganze 196 Stunden beträgt die Halbwertszeit eines neuen Insulins, das derzeit getestet wird. Das bedeutet nur einmal piksen pro Woche. Eine verlockende Idee für alle Typ-2-Diabetiker, die Angst vor Spritzen haben und deswegen eine Behandlung mit Insulin so lange wie möglich hinauszögern.

Deswegen sucht die Industrie schon seit längerem nach einem Insulin, dessen Wirkung länger anhält. Forscher tüftelten herum und erreichten durch den Austausch von drei Aminosäuren und Anhängen einer Fettkette im Molekül von Insulin, dass der Wirkstoff nur ganz langsam freigesetzt wird. Der aktuelle Name lautet Insulin icodec.

Getestet wurde das neue Insulin jetzt in einer Phase-2-Studie. Dabei handelt es sich um eine klinische Studie, bei der ein Wirkstoff erstmalig an Menschen eingesetzt wird. Die Teilnehmerzahl ist in der Regel eher klein und betrug in der vorliegenden Studie knapp 250 Patienten. Alle Teilnehmer dieser Phase-2-Studie hatten bislang mit Metformin keine ausreichende Einstellung ihres Stoffwechsels erreicht.

Bei sieben von zehn Teilnehmern sank der HbA1c unter 7 Prozent

Die Teilnehmer wurden zufällig entweder in die Insulin icodec Gruppe eingeteilt oder in die Gruppe, die ein täglich verabreichtes Insulin erhielt. Dazu erhielten alle Teilnehmer für ein halbes Jahr eine tägliche und eine wöchentliche Injektion. Bei einer von beiden Injektionen handelte es sich um ein Placebo.

Vergleichbare Wirkung beider Insuline

Die Dosierung wurde jeweils so angepasst, dass die Teilnehmer einen Nüchternblutzucker von 70 bis 108 mg/dl erreichten. Zu Beginn der Studie lag der HbA1c im Schnitt bei den Insulin-icodec-Teilnehmern bei rund 8,1 Prozent, bei den anderen bei 8 Prozent. Nach sechs Monaten war der Wert der ersten Gruppe auf 6,69 Prozent gesunken, der der zweiten Gruppe auf 6,87 Prozent. Damit erreichten 72 Prozent der icodec-Teilnehmer einen HbA1c von unter 7 Prozent gegenüber 68 Prozent in der anderen Gruppe.

Unterzuckerungen häufiger aufgetreten

Allerdings kam es unter der Therapie mit Insulin icodec häufiger zu Unterzucker-Warnungen (54 Prozent gegenüber 38 Prozent). Zu regelrechten Hypoglykämien kam es bei den Teilnehmern der icodec-Gruppe bei 16 Prozent der Teilnehmer, bei denjenigen, die täglich Insulin erhalten hatten nur bei 10 Prozent. Die Autoren der Studie schlagen vor, die Zielwerte bei einer Behandlung mit Insulin icodec etwas höher anzusetzen.

Sollten sich die Ergebnisse in einer bereits geplanten Phase-3-Studie bestätigen, dürfte einer Zulassung von Insulin icodec nichts im Wege stehen. Nach Phase-2-Studien wird ein Wirkstoff in den sogenannten Phase-3-Studien an einer größeren Zahl von Teilnehmern getestet. Erst dann kann die Substanz zugelassen werden.